Glossar Nahrungsergänzung

Was jeder Wirkstoff ist, wie er auf dem Etikett steht, Nährstoffbezugswert (NRV) und sichere Höchstmenge, soweit es sie gibt, und ob er eine zugelassene gesundheitsbezogene EU-Angabe tragen darf.

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Vitamine

Biotin

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Vitamin B7, Vitamin H, D-Biotin

B-Vitamin für den Stoffwechsel von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweiß. Es wird für Haare und Nägel verkauft, ein Mangel ist aber selten. Dosen von mehreren Tausend µg können manche Blutwerte verfälschen, etwa Schilddrüsen- und Herzwerte.

  • NRV: 50 µg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: nicht festgelegt
  • EU-Angaben: Erhaltung normaler Haare, Haut und Schleimhäute, Energiestoffwechsel, Nervensystem, psychische Funktion
  • Vor einer Blutuntersuchung Arzt oder Labor über die Biotin-Einnahme informieren

Folat (Folsäure)

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Folsäure, Vitamin B9, 5-MTHF, L-Methylfolat

B-Vitamin für Zellteilung und Blutbildung. Folsäure ist die synthetische Form in den meisten Präparaten. Vor und in der Frühschwangerschaft eingenommen, senkt sie das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind.

  • NRV: 200 µg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: 1.000 µg pro Tag Folsäure aus Präparaten und angereicherten Lebensmitteln (Folat aus Lebensmitteln zählt nicht)
  • Vor und in der Frühschwangerschaft: üblich empfohlen sind 400 µg Folsäure pro Tag
  • EU-Angaben: Blutbildung, Zellteilung, Wachstum des mütterlichen Gewebes in der Schwangerschaft, Immunsystem, psychische Funktion, Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung

Vitamin A

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Retinol, Retinylacetat, Retinylpalmitat, Beta-Carotin

Fettlösliches Vitamin für Sehkraft, Haut und Immunsystem. Präparate enthalten vorgeformtes Vitamin A (Retinol) oder Beta-Carotin, das der Körper bei Bedarf in Vitamin A umwandelt.

  • NRV: 800 µg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: 3.000 µg pro Tag vorgeformtes Vitamin A (nicht Beta-Carotin)
  • EU-Angaben: normale Sehkraft, Haut, Schleimhäute, Immunsystem und Eisenstoffwechsel
  • In der Schwangerschaft kein hoch dosiertes Vitamin A; Raucher sollten auf Beta-Carotin-Präparate verzichten

Vitamin B1 (Thiamin)

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Thiaminhydrochlorid, Thiaminmononitrat

B-Vitamin, das der Körper braucht, um Kohlenhydrate in Energie umzuwandeln, und für die Nervenfunktion. Eine abwechslungsreiche Ernährung deckt den Bedarf meist; viel Alkohol ist die häufigste Ursache für einen Mangel.

  • NRV: 1,1 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: nicht festgelegt
  • EU-Angaben: Energiestoffwechsel, Nervensystem, psychische Funktion, Herzfunktion

Vitamin B2 (Riboflavin)

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Riboflavin, Riboflavin-5'-phosphat

B-Vitamin für den Energiestoffwechsel und die Aktivierung anderer B-Vitamine. Höhere Dosen färben den Urin leuchtend gelb, was harmlos ist.

  • NRV: 1,4 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: nicht festgelegt
  • EU-Angaben: Energiestoffwechsel, Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung, normale Sehkraft, Haut und rote Blutkörperchen, Schutz der Zellen vor oxidativem Stress

Vitamin B3 (Niacin)

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Nicotinamid, Niacinamid, Nicotinsäure

B-Vitamin für den Energiestoffwechsel. Auf dem Etikett steht Nicotinamid (Niacinamid) oder Nicotinsäure; Nicotinsäure verursacht schon in viel kleineren Dosen Hautrötungen (Flush) und hat eine deutlich niedrigere Höchstmenge.

  • NRV: 16 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmengen: 10 mg pro Tag als Nicotinsäure, 900 mg pro Tag als Nicotinamid
  • EU-Angaben: Energiestoffwechsel, Nervensystem, psychische Funktion, Haut, Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung

Vitamin B5 (Pantothensäure)

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Calcium-D-pantothenat, Pantethin

B-Vitamin, das in fast allen Lebensmitteln vorkommt und für die Bildung von Coenzym A gebraucht wird, einem Schlüsselmolekül des Energiestoffwechsels. Ein Mangel ist sehr selten.

  • NRV: 6 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: nicht festgelegt
  • EU-Angaben: Energiestoffwechsel, normale geistige Leistung, Synthese von Steroidhormonen, Vitamin D und einigen Neurotransmittern, Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung

Vitamin B6

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Pyridoxinhydrochlorid, Pyridoxal-5'-phosphat (P-5-P)

B-Vitamin für den Eiweißstoffwechsel, die Bildung roter Blutkörperchen und das Nervensystem. Es steckt oft in Magnesiumpräparaten. Zu viel über lange Zeit kann Nerven schädigen; rechne deshalb das B6 aus allen Präparaten zusammen.

  • NRV: 1,4 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: 12 mg pro Tag aus allen Quellen
  • EU-Angaben: Energiestoffwechsel, Nervensystem, psychische Funktion, Immunsystem, Bildung roter Blutkörperchen, Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung, Regulierung der Hormontätigkeit

Vitamin B12

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Cobalamin, Cyanocobalamin, Methylcobalamin, Hydroxocobalamin

Wichtig für rote Blutkörperchen und das Nervensystem. Es kommt fast nur in tierischen Lebensmitteln vor, deshalb brauchen Veganer ein Präparat oder angereicherte Lebensmittel. Von großen Dosen nimmt der Körper nur einen kleinen Teil auf: etwa 1,3 % von 1.000 µg.

  • NRV: 2,5 µg pro Tag
  • EFSA-Schätzwert für die angemessene Zufuhr: 4 µg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: nicht festgelegt
  • EU-Angaben: Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung, Energiestoffwechsel, Bildung roter Blutkörperchen, Nervensystem, psychische Funktion, Immunsystem

Vitamin C

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Ascorbinsäure, Natriumascorbat, Calciumascorbat

Wasserlösliches Vitamin für die Kollagenbildung und das Immunsystem; außerdem verbessert es die Eisenaufnahme aus der Nahrung. Dosen ab einem Gramm können auf den Magen schlagen.

  • NRV: 80 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: nicht festgelegt
  • Deutschland (BfR-Empfehlung): 250 mg pro Tagesdosis
  • EU-Angaben: Immunsystem, Kollagenbildung für Blutgefäße, Knochen, Knorpel, Zahnfleisch, Haut und Zähne, Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung, Eisenaufnahme, Schutz der Zellen vor oxidativem Stress

Vitamin D

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Cholecalciferol (Vitamin D3), Ergocalciferol (Vitamin D2)

Fettlösliches Vitamin, das die Haut im Sonnenlicht bildet; im Winter reicht die UVB-Strahlung dafür in weiten Teilen Europas nicht aus. Wichtig für die Calciumaufnahme, Knochen, Muskeln und das Immunsystem. Die meisten Präparate enthalten Vitamin D3.

  • NRV auf dem Etikett: 5 µg (200 IE) pro Tag
  • EFSA-Schätzwert für die angemessene Zufuhr: 15 µg (600 IE) pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: 100 µg (4.000 IE) pro Tag aus allen Quellen
  • Deutschland (BfR-Empfehlung): 20 µg (800 IE) pro Tagesdosis
  • EU-Angaben: Immunsystem, Knochen, Zähne, Muskelfunktion, Calciumaufnahme

Vitamin K2

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Menachinon, MK-7, MK-4; Vitamin K1 = Phyllochinon

Form von Vitamin K, das für die Blutgerinnung und den Knochenstoffwechsel gebraucht wird. Wird oft mit Vitamin D3 kombiniert. Wer Gerinnungshemmer vom Vitamin-K-Antagonisten-Typ nimmt (Phenprocoumon/Marcumar, Warfarin), sollte vorher mit dem Arzt sprechen.

  • NRV (Vitamin K): 75 µg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: nicht festgelegt
  • EU-Angaben (Vitamin K): normale Blutgerinnung, Erhaltung normaler Knochen

Mineralstoffe

Eisen

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Eisenbisglycinat, Eisen(II)-sulfat, Eisen(II)-fumarat, Eisen(II)-gluconat

Mineralstoff für die Bildung von Hämoglobin und den Sauerstofftransport im Blut. Ein Präparat hilft nur, wenn die Eisenspeicher niedrig sind; lass deshalb zuerst das Ferritin bestimmen. Zu viel Eisen schadet und verursacht oft Verstopfung oder Übelkeit.

  • NRV: 14 mg pro Tag
  • EFSA-Wert für eine sichere Gesamtzufuhr: 40 mg pro Tag
  • Deutschland (BfR-Empfehlung): 6 mg pro Tagesdosis
  • EU-Angaben: Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung, rote Blutkörperchen und Hämoglobin, Sauerstofftransport, kognitive Funktion, Immunsystem

Magnesium

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Magnesiumcitrat, -bisglycinat, -oxid, -malat, -chlorid

Mineralstoff für Muskel- und Nervenfunktion und den Energiestoffwechsel. Vergleiche auf dem Etikett das elementare Magnesium pro Tagesdosis, nicht das Gewicht der Verbindung.

  • NRV: 375 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge aus Präparaten: 250 mg pro Tag (Magnesium aus Lebensmitteln zählt nicht)
  • Deutschland (BfR-Empfehlung): 250 mg pro Tag, auf mindestens zwei Einnahmen verteilt
  • EU-Angaben: Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung, Muskelfunktion, Nervensystem, psychische Funktion, Elektrolytgleichgewicht, Knochen und Zähne. Keine zugelassene Angabe zum Schlaf.

Selen

Zugelassene EU-Angaben

Auch: L-Selenomethionin, Natriumselenit, Selenhefe

Spurenelement für Schilddrüse, Immunsystem und antioxidative Enzyme. Zwischen genug und zu viel liegt wenig Spielraum; rechne deshalb das Selen aus Multivitaminen, Haarpräparaten und Paranüssen zusammen.

  • NRV: 55 µg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: 255 µg pro Tag
  • EU-Angaben: Schilddrüsenfunktion, Immunsystem, Haare und Nägel, Schutz der Zellen vor oxidativem Stress, Spermienbildung

Zink

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Zinkgluconat, -citrat, -bisglycinat, -picolinat, -oxid

Spurenelement für Immunsystem, Haut, Haare, Nägel und Fruchtbarkeit. Wer lange mehr als die Höchstmenge nimmt, riskiert einen Kupfermangel.

  • NRV: 10 mg pro Tag
  • EFSA-Höchstmenge: 25 mg pro Tag aus Lebensmitteln und Präparaten zusammen
  • Deutschland (BfR-Empfehlung): 6,5 mg pro Tagesdosis
  • EU-Angaben: Immunsystem, Haut, Haare, Nägel, Knochen, Fruchtbarkeit und Fortpflanzung, normaler Testosteronspiegel, kognitive Funktion, Sehkraft

Fettsäuren und Coenzyme

Coenzym Q10

Keine zugelassene EU-Angabe

Auch: CoQ10, Ubichinon, Ubichinol

Stoff, den der Körper selbst bildet und für die Energiegewinnung in den Zellen nutzt. Statine senken seinen Blutspiegel, aber die Studienlage zeigt nicht, dass Präparate statinbedingte Muskelschmerzen verhindern.

  • Keine zugelassene EU-Angabe: Die EFSA hat Angaben zu Energie, Herz und Blutdruck geprüft
  • Übliche Dosis in Präparaten: 100–200 mg pro Tag
  • Kann mit Warfarin wechselwirken

EPA (Eicosapentaensäure)

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Omega-3 EPA

Langkettige Omega-3-Fettsäure aus Fisch-, Krill- und manchen Algenölen. Ihre EU-Angaben gelten nur zusammen mit DHA.

  • EU-Angaben mit DHA: normale Herzfunktion ab 250 mg EPA + DHA pro Tag; normale Blutfettwerte (Triglyceride) ab 2 g und normaler Blutdruck ab 3 g pro Tag
  • BfR: Hohe Dosen können bei Herzpatienten das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen

Omega-3-Fettsäuren

Zugelassene EU-Angaben

Auch: EPA, DHA, ALA; Fischöl, Algenöl, Krillöl

Familie mehrfach ungesättigter Fette. Zugelassene Angaben gibt es für EPA und DHA, die langkettigen Formen aus Fisch-, Krill- und Algenöl; ALA aus Leinsamen oder Walnüssen wandelt der Körper nur zu einem kleinen Teil um. Vergleiche EPA + DHA pro Tagesdosis, nicht die Menge Fischöl pro Kapsel.

  • EFSA: bis zu 5 g EPA + DHA pro Tag aus Präparaten sind unbedenklich
  • Eine typische 1.000-mg-Fischölkapsel enthält etwa 300 mg EPA + DHA
  • EU-Angaben: Herzfunktion (250 mg EPA + DHA pro Tag), Gehirnfunktion und Sehkraft (250 mg DHA pro Tag)

Aminosäuren, Ballaststoffe und weitere Stoffe

5-HTP (Griffonia)

Keine zugelassene EU-Angabe

Auch: 5-Hydroxytryptophan, Griffonia-simplicifolia-Samenextrakt

Vorstufe, aus der der Körper Serotonin bildet, gewonnen aus den Samen der afrikanischen Griffonia-Pflanze. Gute Belege für Schlaf oder Stimmung gibt es kaum.

  • Keine zugelassene EU-Angabe
  • Nicht mit Antidepressiva oder anderen serotoninsteigernden Mitteln kombinieren (Risiko eines Serotonin-Syndroms)

Flohsamenschalen

Auch: Psyllium, Plantago ovata, indische Flohsamen

Schalen der Samen von Plantago ovata: ein löslicher Ballaststoff, der Wasser bindet, ein Gel bildet und das Stuhlvolumen erhöht. Wird bei Verstopfung und bei weichem Stuhl eingesetzt; immer mit reichlich Wasser einnehmen.

  • EFSA-Schätzwert für die angemessene Ballaststoffzufuhr bei Erwachsenen: 25 g pro Tag
  • Auch als Arzneimittel gegen Verstopfung erhältlich

Glucosamin

Keine zugelassene EU-Angabe

Auch: Glucosaminsulfat, Glucosaminhydrochlorid

Baustein des Knorpels, meist aus den Schalen von Krebstieren gewonnen. Es wird für die Gelenke verkauft, doch die Studienergebnisse zu Knieschmerzen sind uneinheitlich.

  • Keine zugelassene EU-Angabe: Die EFSA fand keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang für Gelenk-Angaben
  • Dosis in Studien: 1.500 mg pro Tag
  • Oft aus Krebstieren (Allergie); hohe Dosen können mit Warfarin wechselwirken

Hyaluronsäure

Keine zugelassene EU-Angabe

Auch: Natriumhyaluronat

Wasserbindender Stoff in Haut und Gelenkflüssigkeit. Die meiste Hyaluronsäure in Präparaten wird durch bakterielle Fermentation hergestellt, ein Teil stammt aus Hahnenkämmen. Eine Metaanalyse von 2025 mit 7 kleinen Studien fand bessere Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe.

  • Keine zugelassene EU-Angabe

Kollagen

Keine zugelassene EU-Angabe

Auch: Kollagenhydrolysat, Kollagenpeptide; Typ I, II, III

Wichtigstes Strukturprotein von Haut, Sehnen, Knorpel und Knochen. Präparate enthalten in kleine Peptide zerlegtes Kollagen (hydrolysiert) von Rind, Schwein, Fisch oder Huhn.

  • Keine zugelassene EU-Angabe; eine Gelenk-Angabe für Kollagenhydrolysat wurde 2012 abgelehnt
  • Dosis in Studien: 2,5–10 g pro Tag
  • Oft wird Vitamin C zugesetzt, das die zugelassene Angabe zur Kollagenbildung trägt

Kreatin

Zugelassene EU-Angaben

Auch: Kreatin-Monohydrat, Creapure

Aus Aminosäuren gebildeter Stoff, der im Muskel gespeichert wird und schnelle Energie für kurze, intensive Belastungen liefert. Monohydrat ist die Form aus fast allen Studien; es besteht zu etwa 88 % aus Kreatin.

  • EU-Angabe: erhöht die Leistung bei wiederholten kurzen, intensiven Belastungen (3 g Kreatin pro Tag)
  • EU-Angabe, Erwachsene über 55: verstärkt die Wirkung von Krafttraining auf die Muskelkraft (3 g pro Tag)
  • Übliche Dosis: 3–5 g pro Tag

Melatonin

Zugelassene EU-Angaben

Auch: N-Acetyl-5-methoxytryptamin

Hormon, das der Körper am Abend ausschüttet und das die Nacht ankündigt. Präparate können die Einschlafzeit etwas verkürzen und Jetlag lindern. In mehreren Ländern gelten höhere Dosen rechtlich als Arzneimittel.

  • EU-Angaben: verkürzt die Einschlafzeit (1 mg kurz vor dem Schlafengehen); lindert Jetlag (0,5 mg an Reisetagen)
  • Deutschland: Rechtsstatus als Nahrungsergänzungsmittel umstritten
  • Nicht in Schwangerschaft, Stillzeit oder für Kinder

MSM (Methylsulfonylmethan)

Keine zugelassene EU-Angabe

Auch: Methylsulfonylmethan, organischer Schwefel

Schwefelverbindung, die für die Gelenke verkauft wird, oft zusammen mit Glucosamin. Die Belege stammen aus wenigen kleinen Studien.

  • Keine zugelassene EU-Angabe: Die EFSA hat Angaben zu Kollagenbildung, Haaren, Nägeln und Gelenken geprüft

Probiotika

Keine zugelassene EU-Angabe

Auch: lebende Kulturen, Lactobacillus, Bifidobacterium, Saccharomyces boulardii

Lebende Mikroorganismen, meist Bakterien, teils Hefen. Die Wirkung hängt vom Stamm ab: Einige Stämme helfen bei Durchfall durch Antibiotika, viele haben keine belegte Wirkung. Vergleiche Produkte nach Stammbezeichnung und KBE pro Tagesdosis.

  • Für keinen Stamm gibt es eine zugelassene EU-Angabe

Pflanzen

Artischockenblätter

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Cynara scolymus, Artischockenextrakt

Blattextrakt, traditionell bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen verwendet; die Europäische Arzneimittel-Agentur hat ihn als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bewertet. Eine „Detox“-Wirkung auf die Leber ist nicht belegt.

Ashwagandha

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Withania somnifera, Schlafbeere, Winterkirsche, KSM-66, Sensoril

Wurzel- (teils Blatt-)Extrakt einer ayurvedischen Pflanze, verkauft gegen Stress und für den Schlaf. Studien verwenden 300–600 mg Extrakt pro Tag über 8–12 Wochen. Es gibt seltene Berichte über Leberschäden; Dänemark hat Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln verboten, die Niederlande wollen das Blatt verbieten.

  • Deutschland (BfR, 2024): Eine sichere Tagesmenge ließ sich nicht ableiten
  • Nicht in der Schwangerschaft oder bei Schilddrüsenerkrankungen

Baldrian

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Valeriana officinalis, Baldrianwurzel

Wurzel, die traditionell bei Schlafproblemen und nervöser Unruhe verwendet wird, oft mit Hopfen oder Melisse kombiniert. Die Studienergebnisse sind uneinheitlich, mit allenfalls kleinem Effekt nach 2–4 Wochen.

Kalifornischer Mohn

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Eschscholzia californica, Goldmohn

Pflanze, die traditionell bei leichter nervöser Anspannung und Schlafproblemen verwendet wird, meist in Mischungen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat sie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bewertet.

Kamille

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Matricaria chamomilla, Echte Kamille

Blüte, die als Tee oder Extrakt zur Entspannung und für die Verdauung verwendet wird. Die Belege für den Schlaf sind schwach. Wer auf Korbblütler allergisch ist, kann darauf reagieren.

Kurkuma und Curcumin

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Curcuma longa, Curcuminoide, Piperin

Curcumin ist der gelbe Stoff in der Kurkumawurzel. Es wird schlecht aufgenommen, daher setzen viele Produkte Piperin zu oder nutzen spezielle Formulierungen, die auch die Belastung erhöhen. Es gibt seltene Berichte über Leberschäden; Italien schreibt inzwischen einen Warnhinweis auf dem Etikett vor.

  • Akzeptable Tagesdosis der EFSA für Curcumin (als Farbstoff E 100): 3 mg pro kg Körpergewicht, etwa 210 mg pro Tag bei 70 kg
  • Nicht bei Gallensteinen oder mit Blutverdünnern

Lavendel

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Lavandula angustifolia, Lavendelöl

Blüte und ätherisches Öl, traditionell zur Beruhigung und für den Schlaf verwendet. Die Studien beziehen sich auf ein bestimmtes standardisiertes Lavendelöl in Kapseln (80 mg pro Tag), nicht auf kleine Mengen in Mischungen oder Tees.

Löwenzahnwurzel

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Taraxacum officinale

Wurzel und Blatt, traditionell für die Verdauung und als mildes Entwässerungsmittel verwendet. Klinische Belege gibt es kaum.

Mariendistel (Silymarin)

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Silybum marianum, Silymarin

Samenextrakt, der viel für die Leber verkauft wird; Silymarin ist sein Gemisch aus Wirkstoffen. Studien bei Lebererkrankungen liefern widersprüchliche Ergebnisse.

  • Wer auf Korbblütler allergisch ist, kann darauf reagieren

Melisse

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Melissa officinalis, Zitronenmelisse

Blatt, das traditionell zur Beruhigung, für den Schlaf und bei leichten Magen-Darm-Beschwerden verwendet wird; die Europäische Arzneimittel-Agentur hat es als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bewertet. Die Studien sind klein und kombinieren Melisse oft mit Baldrian.

Passionsblume

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Passiflora incarnata

Pflanze, die traditionell bei Nervosität und Schlafproblemen verwendet wird, oft in Mischungen mit Baldrian oder Melisse. Es gibt nur wenige Studien.

Rosenwurz (Rhodiola)

EU-Angaben zurückgestellt

Auch: Rhodiola rosea, Goldene Wurzel

Wurzelextrakt einer Pflanze aus kalten Regionen, traditionell gegen Erschöpfung und Stress verwendet. Mehrere Studien deuten auf weniger stressbedingte Müdigkeit hin, sie sind aber klein.

  • Nicht bei bipolarer Störung und in der Schwangerschaft

Verbindungen auf dem Etikett

Cholecalciferol (D3) und Ergocalciferol (D2)

Auch: Vitamin D3, Vitamin D2

Cholecalciferol ist Vitamin D3, die Form, die die Haut bildet. Es stammt meist aus Lanolin (Schafwolle), in veganen Produkten aus Flechten. Ergocalciferol (D2) stammt aus Pilzen und Hefen und hebt den Blutspiegel weniger stark an als D3.

Methylfolat (5-MTHF)

Auch: L-Methylfolat, 5-Methyltetrahydrofolat, Quatrefolic, Metafolin

Die Form von Folat, die im Blut zirkuliert; Folsäure ist die synthetische Form, die der Körper erst umwandeln muss. Die Schwangerschaftsstudien hinter der offiziellen Folsäure-Empfehlung wurden mit Folsäure gemacht.

Begriffe zu Etikett und Recht

AESAN

Auch: Spanische Agentur für Lebensmittelsicherheit und Ernährung

Spaniens Behörde für Lebensmittelsicherheit. Nahrungsergänzungsmittel werden in Spanien vor dem Verkauf bei den Behörden angezeigt, und die AESAN veröffentlicht eine durchsuchbare Liste der angezeigten Produkte. Eine Anzeige ist keine Zulassung und keine Qualitätsprüfung.

Angemessene Zufuhr (AI) und Populationsreferenzwert (PRI)

Auch: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (DRV)

Tägliche Zufuhrempfehlungen der EFSA für gesunde Menschen. Der PRI deckt den Bedarf fast aller Personen einer Gruppe; ein Schätzwert für die angemessene Zufuhr wird verwendet, wenn die Daten für einen PRI nicht reichen. Sie unterscheiden sich vom NRV auf dem Etikett: Für Vitamin D liegt die angemessene Zufuhr bei 15 µg, der NRV bei 5 µg.

BfR

Auch: Bundesinstitut für Risikobewertung

Deutschlands wissenschaftliche Behörde für Risiken von Lebensmitteln und Produkten. Es veröffentlicht die empfohlenen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe pro Tagesdosis, an denen Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland gemessen werden, sowie Risikobewertungen zu Stoffen wie Ashwagandha.

Bioverfügbarkeit

Auch: Aufnahme, Resorption

Der Anteil eines Nährstoffs, der aufgenommen wird und dem Körper zur Verfügung steht. Er hängt von der Form ab, von der Dosis (bei höheren Dosen sinkt der aufgenommene Anteil, etwa bei Vitamin B12) und davon, womit man ihn einnimmt (Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme).

EFSA

Auch: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit in Parma. Sie bewertet die Wissenschaft hinter gesundheitsbezogenen Angaben, neuartigen Lebensmitteln und sicheren Zufuhrmengen; über die Rechtsvorschriften entscheiden dann die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten.

Gegenseitige Anerkennung

Auch: Prinzip der gegenseitigen Anerkennung

EU-Prinzip, nach dem ein Produkt, das in einem Mitgliedstaat rechtmäßig verkauft wird, grundsätzlich auch in einem anderen verkauft werden darf, selbst wenn es dessen eigene Regeln nicht erfüllt, es sei denn, die Behörden begründen eine Beschränkung (etwa aus Gesundheitsgründen). Deshalb überschreiten manche Präparate in deutschen oder spanischen Regalen nationale Empfehlungen.

Gesundheitsbezogene Angabe

Auch: Health Claim, zugelassene EU-Angabe

Jede Aussage, dass ein Lebensmittel oder Inhaltsstoff der Gesundheit nützt, etwa „trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“. In der EU dürfen nur Angaben verwendet werden, die im EU-Register zugelassen sind, nah am genehmigten Wortlaut und nur, wenn das Produkt genug von dem Nährstoff enthält.

Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln

Auch: nationale Höchstmengen, BfR-Höchstmengenempfehlungen

Die EU hat nie gemeinsame Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln festgelegt, daher entscheidet jedes Land selbst. Manche haben verbindliche Grenzen; das deutsche BfR veröffentlicht empfohlene Höchstmengen (zum Beispiel 20 µg Vitamin D und 250 mg Magnesium); Spanien hat für die meisten Vitamine und Mineralstoffe keine nationale Höchstmenge.

  • EU: Die Kommission plant gemeinsame Höchstmengen für das erste Quartal 2028; im Oktober 2026 erklärte sie, dass 2026 keine öffentliche Konsultation stattfindet

KBE (koloniebildende Einheiten)

Auch: CFU, Milliarden KBE

Die Zahl lebender Mikroorganismen in einem Probiotikum, meist in Milliarden pro Tagesdosis. Sie sagt nur etwas zusammen mit der Stammbezeichnung aus und nur, wenn die Menge bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert ist statt nur bei der Herstellung.

Nahrungsergänzungsmittel

Auch: NEM, Supplement

Rechtlich ein Lebensmittel in konzentrierter Form (Kapseln, Tabletten, Pulver, Tropfen), das die normale Ernährung ergänzt, geregelt durch die Richtlinie 2002/46/EG. Es braucht keine Zulassung: Der Hersteller zeigt es den Behörden an (in Deutschland beim BVL, in Spanien über die AESAN). Es darf nicht behaupten, Krankheiten zu verhüten, zu behandeln oder zu heilen.

NRV (Nährstoffbezugswert)

Auch: % NRV, früher RDA, % Referenzmenge

Der EU-weite Tagesbezugswert für ein Vitamin oder einen Mineralstoff auf Etiketten, festgelegt in der Verordnung (EU) 1169/2011. „% NRV“ zeigt, welchen Anteil davon eine Tagesdosis liefert. Er ist eine Kennzeichnungsgröße, kein persönlicher Bedarf und keine Sicherheitsgrenze.

  • Ab 15 % des NRV pro Tagesdosis darf ein Nährstoff seine zugelassenen EU-Angaben tragen

Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)

Auch: placebokontrolliert, doppelblind

Eine Studie, in der die Teilnehmenden per Zufall das Präparat oder ein Placebo erhalten, idealerweise ohne dass jemand weiß, wer was bekommt (doppelblind). Das verlässlichste Einzelstudiendesign, um zu zeigen, dass ein Präparat eine Wirkung verursacht.

Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse

Auch: Cochrane-Review

Eine systematische Übersichtsarbeit sammelt alle Studien zu einer Frage nach einer festen, veröffentlichten Methode; eine Metaanalyse fasst ihre Ergebnisse dann statistisch zusammen. Cochrane-Reviews sind ein bekanntes Beispiel. NutriMetrics zieht diese Evidenzstufe Einzelstudien vor.

Tolerierbare Höchstaufnahmemenge (UL)

Auch: Höchstmenge, sichere Zufuhrmenge

Die höchste tägliche Zufuhr aus allen Quellen, die nach Einschätzung der EFSA gesunden Menschen auch langfristig wahrscheinlich nicht schadet. Sie ist eine Obergrenze, kein Ziel. Reichen die Daten nicht für einen UL, legt die EFSA teils eine „sichere Zufuhrmenge“ fest (zum Beispiel 40 mg pro Tag für Eisen).

Traditionelles pflanzliches Arzneimittel

Auch: registriertes traditionelles Arzneimittel

Ein registriertes Arzneimittel, dessen Zulassung auf langjähriger Anwendung statt auf klinischen Studien beruht, nach der Richtlinie 2004/24/EG. Dieselbe Pflanze kann als Nahrungsergänzungsmittel oder als Arzneimittel verkauft werden; nur das Arzneimittel darf sagen, wofür es angewendet wird, etwa „als Einschlafhilfe“.

Zurückgestellte Angaben (Pflanzen)

Auch: „On hold“-Angaben, Botanicals

Gesundheitsbezogene Angaben für pflanzliche Stoffe wie Ashwagandha, Kurkuma oder Baldrian sind auf EU-Ebene seit 2010 zurückgestellt („on hold“): weder zugelassen noch abgelehnt. Manche Länder dulden sie auf Etiketten nach Übergangsregeln. NutriMetrics behandelt sie als nicht zugelassen.

µg, mg und g

Auch: Mikrogramm (mcg), Milligramm, Gramm

1 g = 1.000 mg und 1 mg = 1.000 µg (auch mcg geschrieben). Vitamin B12, D, K, Biotin, Folat, Selen und Jod werden in µg angegeben, Magnesium, Eisen, Zink und Vitamin C in mg. Wer sie verwechselt, liegt um den Faktor 1.000 daneben.

Über dieses Glossar

Die Nährstoffbezugswerte (NRV) stammen aus der Verordnung (EU) 1169/2011, die sicheren Höchstmengen aus der EFSA-Übersicht von 2024 und der Status der Angaben aus dem EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. Die Angaben sind zusammengefasst; den genauen Wortlaut und die Mindestmenge pro Tagesdosis nennt das Register. Nur zur Information, keine medizinische Beratung.